Die U Bremen Research Alliance und die Universität Bremen veranstalteten am Donnerstag, den 11. Juni 2026, von 9:00 bis 12:00 Uhr den ersten European Research Council (ERC) Infoday. Teilnehmen konnten Forschende aller Mitgliedseinrichtungen der U Bremen Research Alliance. Die ausgebuchte Veranstaltung zeigte das große Interesse an europäischer Forschungsförderung innerhalb des Bremer Forschungsverbunds.
Im Mittelpunkt stand der European Research Council (ERC), der Teil von Horizon Europe ist. Ziel des ERC ist es, Kreativität und wissenschaftliche Exzellenz in der europäischen Forschung zu stärken – durch wissenschaftliche Autonomie, wegweisende „frontier research“ und herausragende Forschende, die ihre Projekte in Europa umsetzen.
Die Teilnehmenden erhielten einen Überblick über die ERC-Förderlinien, die Voraussetzungen für eine Antragstellung sowie den Einreichungs- und Evaluationsprozess. Darüber hinaus gab der Workshop praktische Hinweise zum Verfassen wettbewerbsfähiger Anträge und stellte die Unterstützungsangebote von Dr. Andrea Gottlieb und Dr. Luisa Cristini vor, beide aus der Förderberatung der Universität Bremen. Ein zentraler Schwerpunkt war, wie erfolgreiche ERC-Anträge den bahnbrechenden Charakter, den potenziellen wissenschaftlichen Impact und den methodischen Ansatz des Forschungsvorhabens sowie die intellektuelle Leistungsfähigkeit und Kreativität der Antragstellenden überzeugend darstellen können. Zudem wurde diskutiert, wie bereits im Abstract fünf zentrale Fragen adressiert werden können: Welches neue Wissen wird generiert? Kann das Vorhaben Europa als internationale wissenschaftliche Führungsregion stärken? Ist dieses Wissen bereits verfügbar? Warum jetzt? Und warum sind die Antragstellenden besonders geeignet, das Vorhaben umzusetzen?
Die Panel Discussion mit drei ERC-Grantees der Universität Bremen machte das theoretische Wissen praktisch greifbar: Dr. Tanja Stratmann vom MARUM (ERC Starting Grant SPYCLING), Prof. Michael Sentef vom FB1 Physik/Elektrotechnik (ERC Consolidator Grant CAVMAT) und Dr. Florian Meyer vom ZARM (ERC Synergy Grant FireSpace). Sie diskutierten, wie Projektideen entstehen, wie Anträge Gestalt annehmen und welchen Herausforderungen Antragstellende begegnen können. Die vielen Fragen aus dem Publikum unterstrichen den großen Bedarf an Erfahrungen aus erster Hand und praktischen Hinweisen.

Dr. Tanja Stratmann beschrieb den Ausgangspunkt ihrer ERC-Idee so:
„Der Funke für meine ERC-Bewerbung entstand durch eine Publikation enger Kolleg:innen, die ein ungewöhnliches chemisches Signal in einer bestimmten Gruppe von Schwämmen beschrieben – eine Beobachtung, die selbst eine weltweit führende Expertin auf diesem Gebiet nicht vollständig erklären konnte. Von diesem Moment an ließ mich die Frage nicht mehr los: Als ich ein noch stärkeres chemisches Signal in Schwämmen entdeckte, die in einer ganz anderen Umgebung leben, begann ich, daraus den wissenschaftlichen Kern meines späteren ERC-Antrags zu entwickeln.“
Prof. Michael Sentef betonte die Balance zwischen wissenschaftlicher Erfolgsbilanz und einer mutigen neuen Forschungsrichtung:
„Ein starker ERC-Antrag stellt Track Record und Ambition nicht gegeneinander – bisherige Leistungen sollten als Beleg dafür dienen, dass die antragstellende Person besonders gut positioniert ist, eine mutige neue Richtung zu verfolgen, und nicht als Blaupause dafür, das Bisherige zu wiederholen. Die häufigste Falle besteht darin, in eines von zwei gegensätzlichen Extreme zu geraten: das Projekt als zu enge Fortsetzung der bisherigen Arbeit darzustellen oder eine spannende Vision zu skizzieren, ohne klarzumachen, warum gerade Sie die richtige Person sind, um sie zu verwirklichen.“
Dr. Florian Meyer hob hervor, wie anspruchsvoll und zugleich bereichernd die Entwicklung eines ERC Synergy Grant sein kann:
„Der Prozess von der ersten Idee bis zum Start des ERC Synergy Grant war die bislang intensivste Erfahrung meiner Karriere. Nach der anfänglichen Euphorie kam die schwierige Phase des Schreibens eines gemeinsamen Antrags, die mit großer Unsicherheit und der Notwendigkeit von Kompromissen verbunden war, bis wir schließlich erfolgreich waren und eine enorme Freude empfanden.“
Die Diskussion zeigte, dass erfolgreiche ERC-Anträge neben einer exzellenten wissenschaftlichen Idee vor allem Neuartigkeit, wissenschaftlichen Mehrwert und Machbarkeit überzeugend darstellen müssen. Ebenso wichtig ist es, klar zu zeigen, warum die Antragstellenden besonders geeignet sind, eine ambitionierte neue Forschungsrichtung zu verfolgen. Beim anschließenden Light Lunch konnten die Teilnehmenden den Austausch fortsetzen, individuelle Fragen vertiefen und neue Kontakte innerhalb der U Bremen Research Alliance knüpfen.
Weitere Eindrücke des ERC Horizon Europe Infodays






Agenda
9:00 Check-in, coffee & welcome address (Dr. Hanna Voudouri)
10:00 Session 1 (Dr. Andrea Gottlieb, Dr. Luisa Cristini)
• Overview of ERC Grants
• How to write a competitive proposal
• Research support at the University of Bremen
11:00 Session 2
Panel discussion with ERC Grantees at the University of Bremen:
• Dr. Tanja Stratmann, MARUM — ERC Starting Grant
• Prof. Michael Sentef, FB 1 — ERC Consolidator Grant
• Dr. Florian Meyer, ZARM — ERC Synergy Grant
12:00 Closing remarks & light lunch
Kontakt

Dr. Andrea Gottlieb & Dr. Luisa Cristini
Universität Bremen
Research Support Unit
- Email: eu@vw.uni-bremen.de
Kontakt



