Der mit 1.500 Euro dotierte Data Champion Award 2026 geht an die Wissenschaftlerinnen Dr. Anne Speer, Charlotte Brandhorst (beide Universität Bremen / Forschungsinstitut Gesellschaftlicher Zusammenhalt) sowie Leonie Wolfrath (Universität Mannheim). Das interdisziplinäre Datenkompetenzzentrum DataNord prämiert damit ihr Datenprojekt zur RISC-Milieutypologie, die am FGZ an der Universität Bremen entwickelt wurde.

Ein Werkzeug wird nutzbar gemacht
Die RISC-Milieutypologie wurde im Forschungsprojekt „Milieukonflikte um den gesellschaftlichen Zusammenhalt“ am SOCIUM der Universität Bremen entwickelt. Sie analysiert soziale Gruppen, Werte und Konfliktlinien.
Die Preisträgerinnen haben dieses Instrument für die Nutzung aufbereitet und geöffnet. Grundlage bildet unter anderem das German Social Cohesion Panel (SCP), dessen Daten im Forschungsdatenzentrum des FGZ nach FAIR-Prinzipien bereitgestellt werden. Ergänzend entwickelten sie Anwendungen, die den Zugang auch für die Öffentlichkeit öffnen.
Gesellschaft neu vermessen
Die Analysen zeigen ein differenziertes Bild unserer Gesellschaft.
„Die Gesellschaft ist nicht in zwei Gruppen polarisiert, sondern vielmehr in mehrere verschiedene Gruppen fragmentiert. Entscheidend ist, dass wir dabei nicht nur Werte, sondern auch sozioökonomische Positionen einbeziehen und diese Zusammenhänge durch offen zugängliche Daten und Methoden transparent und nachvollziehbar machen“, erklärt Dr. Anne Speer.
Die Typologie verbindet sozioökonomische Lebenslagen mit Wertorientierungen und macht sichtbar, wie unterschiedlich gesellschaftliche Gruppen geprägt sind und wo Konflikte entstehen. Gleichzeitig ermöglicht die offene Bereitstellung der Daten und Methoden, diese Analysen nachzuvollziehen, zu überprüfen und in eigenen Studien weiterzuführen.
Offenheit verändert Forschung
Hier liegt der zentrale Beitrag des Projekts: die Aufbereitung und Öffnung der Daten. Durch die Bereitstellung der Replikations- und Klassifikationsmaterialien ist die RISC-Milieutypologie frei verfügbar. Forschende können den Klassifikationsalgorithmus kostenfrei nutzen und anhand der Dokumentation nachvollziehen, wie die Milieus gebildet werden.
„Andere Forschende können unsere Vorgehensweise kritisch hinterfragen und zur Weiterentwicklung beitragen“, erläutert Charlotte Brandhorst.
Während entsprechende Klassifikationen bislang häufig kostenpflichtig und nicht transparent waren, ist ihre Nutzung nun frei möglich. Das erleichtert den Zugang und stärkt den wissenschaftlichen Austausch.




Zugang für eine breite Öffentlichkeit
Der Transfer zwischen Forschung und Gesellschaft ist ein weiterer Aspekt, der die Jury überzeugte. Zwei interaktive Anwendungen machen die Forschung unmittelbar erfahrbar. Sie ermöglichen es, die eigene gesellschaftliche Position einzuordnen und Unterschiede zwischen Milieus zu erkunden.
Leonie Wolfrath, die als studentische Hilfskraft im Projekt gearbeitet hat und mittlerweile für ihren Master in Mannheim lebt: „Wir haben schon viele Rückmeldungen von Menschen bekommen, wie gut die Beschreibungen des eigenen Milieus zur Lebensrealität passen.“
Die Anwendungen werden bereits in der Lehre eingesetzt und stoßen auf großes öffentliches Interesse.
Relevanz für Wissenschaft und Gesellschaft
Das Projekt zeigt, wie Daten helfen, den Zusammenhang zwischen sozialen Lagen, Werten und gesellschaftlichen Konfliktlinien besser zu verstehen. Es schafft eine fundierte Grundlage für die Analyse gesellschaftlicher Dynamiken und stärkt Transparenz in Zeiten wachsender Wissenschaftsskepsis.
Perspektivisch sollen neue Formate wie ein Milieudialog den Austausch zwischen gesellschaftlichen Gruppen fördern.
Auszeichnung und nächste Schritte
„Mit dem Preisgeld werden wir die Teilnahme an Konferenzen, Workshops und Summer Schools finanzieren“, so die Preisträgerinnen.
Die Anwendungen und Datenressourcen werden kontinuierlich weiterentwickelt und langfristig verfügbar gehalten. Im Fokus steht, wie sich soziale Milieus über die Zeit verändern und was das für den gesellschaftlichen Zusammenhalt bedeutet.
Das Projekt zeigt exemplarisch, wie ein FAIRer Umgang mit Forschungsdaten konkret Wirkung entfaltet. Offene Daten und Methoden machen Analysen zu sozialen Milieus und gesellschaftlichen Konfliktlinien nachvollziehbar und stärken Vertrauen in Wissenschaft. Gleichzeitig können Forschende die Milieutypologie direkt nutzen und weiterentwickeln – als Grundlage für Forschung sowie für fundierte gesellschaftliche und politische Debatten.
Weitere Informationen: Den Milieu-Rechner sowie die interaktive Milieugrafik findet man online unter https://fgz-risc-data.de/interaktive-tools/milieu-rechner/#
Was ist der Data Champion Award?
Der Data Champion Award wird jährlich von DataNord vergeben. Er würdigt herausragende Leistungen im Bereich der Forschungsdaten und besonderes Engagement für einen FAIRen Umgang mit Daten. Der Preis ist mit 1.500 Euro dotiert und unterstützt Ausgaben im Bereich datenintensiver Wissenschaft, Data Science und Forschungsdatenmanagement. Die Auszeichnung würdigt nicht nur individuelle Leistungen, sondern setzt auch Anreize für Innovation im Umgang mit Forschungsdaten.
Eindrücke der Verleihung









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