
Mit mehreren Tausend Teilnehmenden aus über 40 Ländern wurde Bremen im August 2026 für eine Woche zum Treffpunkt der internationalen KI-Forschung. Die International Joint Conference on Artificial Intelligence (in diesem Jahr gemeinsam mit der European Conference on Artificial Intelligence ausgerichtet) brachte wissenschaftliche Exzellenz nach Bremen und gab zugleich den Impuls für ein breites Programm rund um Transfer, politischen Austausch und öffentlichen Dialog. So wurde sichtbar, wofür Bremen als Wissenschaftsstandort steht: starke Forschung, kurze Wege und die Fähigkeit, internationale Spitzenforschung mit Anwendung und Stadtgesellschaft ins Gespräch zu bringen.
Das Hauptkonferenzprogramm fand vom 18. bis 21. August im Congress Centrum Bremen statt und wurde durch Workshops, Tutorials sowie öffentliche Veranstaltungen in der Stadt ergänzt. Im Mittelpunkt standen zentrale Zukunftsthemen der Künstlichen Intelligenz: agentische Systeme, Multi-Agenten-Systeme, Robotik, sichere und regulierbare KI sowie der Transfer wissenschaftlicher Erkenntnisse in die Anwendung.
Dr. Andreas Bovenschulte, Bürgermeister und Präsident des Senats der Freien Hansestadt Bremen, würdigte die Bedeutung der Konferenz für den Wissenschafts- und Technologiestandort:
„Mit der IJCAI-ECAI ist eine der wichtigsten internationalen Konferenzen zur Künstlichen Intelligenz in Bremen zu Gast. Dass die Organisatoren der Konferenz sich für Bremen entschieden haben, ist für den Wissenschafts- und Technologiestandort nicht weniger als ein Ritterschlag. So wird nicht nur deutlich, welche Impulse von Künstlicher Intelligenz für Forschung, Wirtschaft und Gesellschaft ausgehen, sondern auch welche hervorragenden Voraussetzungen der Standort Bremen den Forschenden und der Wirtschaft bereits heute bietet.“




Wissenschaftliche Highlights aus dem Konferenzprogramm
Das wissenschaftliche Programm der IJCAI-ECAI 2026 deckte die große Breite aktueller KI-Forschung ab. Zu den stärksten Forschungsbereichen nach Anzahl der eingereichten Beiträge zählten Computer Vision, Machine Learning und Data Mining. Insgesamt wurden 858 Beiträge aus 6.342 Full Submissions angenommen. Die Annahmequote von 13,53 Prozent unterstreicht den hohen wissenschaftlichen Anspruch der Konferenz.
Besondere Akzente setzten die Invited Talks und eingeladenen Sessions. Drei IJCAI-26-Awardees standen dabei besonders im Fokus: Prof. Nicholas R. Jennings, Loughborough University, erhielt den IJCAI-26 Award for Research Excellence für seine grundlegenden Beiträge zu Multi-Agenten-Systemen, Human-Agent Teamwork und autonomen Agenten. Prof. David C. Parkes, Harvard University, wurde mit dem IJCAI-26 John McCarthy Award ausgezeichnet und sprach über Agent Societies sowie die Rolle von Mechanismen, Anreizen und Institutionen für das Zusammenspiel intelligenter Systeme. Jiajun Wu, Stanford University, erhielt den IJCAI-26 Computers and Thought Award und zeigte, wie Computer Vision, generative KI und Robotik Maschinen helfen können, Geometrie, Materialeigenschaften und physische Beziehungen in Szenen besser zu erfassen.






Session zum EU AI Act
Auch Fragen der Regulierung standen im Mittelpunkt. In der Session zum EU AI Act erläuterte Jeroen Delfos von der Europäischen Kommission den Übergang von der Gesetzgebung zur praktischen Umsetzung. Diskutiert wurde, wie Wissenschaft und Industrie die Umsetzung mitgestalten können, etwa über Standardisierung, Codes of Practice, Expert Task Forces und Stakeholder Consultations. Die Session zeigte die politische Dimension verantwortungsvoller KI: Wirksame KI-Governance braucht rechtliche Vorgaben, technische Expertise, praktikable Standards und den kontinuierlichen Austausch zwischen Politik, Wissenschaft und Anwendung.
Die Poster Sessions und Early Career Spotlight Talks stärkten den wissenschaftlichen Austausch. Forschende stellten aktuelle Arbeiten im direkten Gespräch vor, diskutierten Rückfragen und knüpften neue Kontakte. Nachwuchswissenschaftler:innen erhielten eine sichtbare Bühne und konnten ihre Forschung mit der internationalen Fachcommunity diskutieren.



Industry Day und Transfer: Forschung trifft Anwendung
Auch der Transfer von KI-Forschung in konkrete Anwendungen war auf der IJCAI ein wichtiger Aspekt. Der Industry Day brachte Unternehmen, Bremer Start-ups, regionale Akteur:innen und die wissenschaftliche Community zusammen.
Internationale Unternehmen wie DeepL, T-Systems und SAP gaben Einblicke in Echtzeitübersetzung, industrielle KI-Infrastrukturen, Knowledge Graphs und agentische Systeme. Zugleich zeigte sich die Stärke des Bremer Innovationsökosystems: Bremer Start-ups wie Count from Above, ellamind und prokube diskutierten konkrete geschäftliche und technische Herausforderungen direkt mit der internationalen IJCAI-Community. Im Mittelpunkt standen nicht klassische Pitches, sondern der offene Austausch über reale Anwendungsfragen.
Vier geführte Touren durch die Ausstellung machten KI-Anwendungen für Unternehmensvertreter:innen greifbar. Die Touren zu AI x Robotics, AI x Language, AI x Health und AI x Digital Business Processes führten zu ausgewählten Forschungs- und Unternehmensständen. Dort konnten Teilnehmende Demonstrationen erleben und direkt mit Expert:innen ins Gespräch kommen. So entstanden konkrete Verbindungen zwischen Forschung, Wirtschaft und Anwendung.
Auch der Netzwerkempfang, organisiert von der Senatorin für Wirtschaft, Arbeit und Häfen in Kooperation mit bremen digitalmedia, am Bremen Stand in der Ausstellung vertiefte den Austausch zwischen Wissenschaft, Wirtschaft und Politik. Vertreter:innen aus Unternehmen, Forschungseinrichtungen, Start-ups und politischen Institutionen kamen dort zusammen, um über aktuelle Entwicklungen, mögliche Kooperationen und den Transfer von KI in die Praxis zu sprechen.
Kristina Vogt, Senatorin für Wirtschaft, Häfen und Transformation, betonte:
„Die IJCAI-ECAI 2026 macht sichtbar, was Bremen als KI-Standort auszeichnet: starke Forschung, innovative Unternehmen und der direkte Austausch zwischen beiden Seiten. Genau hier entsteht praxiswirksame Zusammenarbeit, von der Wirtschaft und Gesellschaft profitieren.“






„Summer of AI“ in Bremen:
KI im Dialog mit der Stadtgesellschaft
Unter dem Bremer Leitmotiv „Summer of AI“ wurde Künstliche Intelligenz während der Konferenzwoche auch öffentlich diskutiert. Ziel war es, KI nicht nur im Kreis der internationalen Fachcommunity zu verhandeln, sondern zentrale Fragen in die Stadtgesellschaft zu tragen.
Beim öffentlichen Panel „New Directions for Safe AI Agents“ standen Vertrauen, Human-Agent Interaction, Open-Source-Ansätze für KI-Sicherheit und Governance im Mittelpunkt. Die Diskussion machte deutlich: Sichere KI-Agenten brauchen nicht nur technische Lösungen. Sie brauchen Transparenz, verantwortungsvolle Steuerung und den Austausch zwischen Wissenschaft, Wirtschaft, Politik und Gesellschaft.
Ein weiteres öffentliches Highlight war die AI Lecture „The AI Race“ von Prof. Toby Walsh, UNSW Sydney, im Festsaal der Bremischen Bürgerschaft. Vor 150 Teilnehmenden sprach Walsh über Chancen, Risiken und Verantwortung im Umgang mit KI.
Dr. Henrike Müller, Senatorin für Umwelt, Klima und Wissenschaft, hob die Bedeutung des öffentlichen Dialogs hervor:
„Künstliche Intelligenz verändert bereits heute unseren Alltag – deshalb darf die Debatte darüber nicht allein in Fachkreisen stattfinden. Mit den öffentlichen Outreach-Formaten der IJCAI-ECAI 2026, wie der AI Lecture, bringen wir internationale KI-Forschung mitten in die Stadtgesellschaft. Wissenschaft lebt vom offenen Austausch: davon, Chancen verständlich zu machen, Grenzen zu benennen und gemeinsam zu diskutieren, wie wir Künstliche Intelligenz verantwortungsvoll gestalten.“




Vier AI Lounges auf dem Domshof
Die AI Lounges auf der Open Space Bühne, ermöglicht durch die freundliche Unterstützung der Schütting Stiftung sowie von den Unternehmensverbänden im Lande Bremen e. V., griffen KI-Fragen aus zentralen Alltagsbereichen auf: Medien, Verwaltung, Bildung und Arbeitswelt. Über alle Themen hinweg ging es darum, wie KI verantwortungsvoll eingesetzt werden kann, sodass sie Vertrauen schafft, Teilhabe ermöglicht und menschliche Entscheidungshoheit wahrt. Die gut besuchten Veranstaltungen und die vielen Fragen aus dem Publikum zeigten das große Interesse an verständlicher Einordnung und offenem Dialog.




KI zum Anfassen und Ausprobieren
Das KI x Open Lab im Forum am Domshof machte KI für Schulgruppen, Auszubildende und die interessierte Öffentlichkeit erfahrbar. Talks, Panels, Ausstellungen, Workshops und Mitmachstationen vermittelten Einblicke in KI in Medizin, Bildung, Arbeit, Robotik, Lernalgorithmen und verantwortungsvolle Anwendung. Damit wurde KI als Thema des Alltags greifbar, verständlich und diskutierbar.


Mural City: Beauty of Science
MURAL CITY ergänzte den „Summer of AI“ um eine künstlerische Perspektive auf Wissenschaft im öffentlichen Raum. Unter dem Motto „Beauty of Science“ entstanden elf neue großformatige Fassadenkunstwerke, die dauerhaft im Bremer Stadtraum bleiben. Internationale Künstler:innen griffen wissenschaftliche Themen auf, begleitet von kostenlosen Science-Vorträgen vor den Kunstwerken.



Von Bremen in die Welt
Mit der Closing Ceremony endete die IJCAI-ECAI 2026 in Bremen. Zugleich wurde der Blick auf die kommenden Konferenzen gerichtet: Die ECAI 2027 findet in Athen, Griechenland, statt. Die IJCAI 2027 wird vom 7. bis 13. August 2027 in Kyoto, Japan, ausgerichtet, ergänzt durch ein Satellite Event auf Hengqin Island in China vom 15. bis 17. August 2027.
Die Konferenz zieht weiter, doch ihre zentralen Themen bleiben in Bremen auf der Agenda: exzellente Forschung, Transfer in die Anwendung und der offene Austausch darüber, wie Künstliche Intelligenz menschzentriert, nachvollziehbar und zum Nutzen der Gesellschaft gestaltet werden kann. Die IJCAI-ECAI 2026 hat Bremen international als starken Standort für KI-Forschung, Anwendung und verantwortungsvollen Dialog sichtbar gemacht.
Weitere Eindrücke der IJCAI sowie Summer of AI Events.












Was ist die IJCAI?
Die „International Joint Conferences on Artificial Intelligence“ ist eine gemeinnützige Organisation, die 1969 in Kalifornien gegründet wurde. Sie fördert Bildung und Wissenschaft im Bereich der Künstlichen Intelligenz durch internationale Fachkonferenzen und die Veröffentlichung der dort präsentierten Forschungsbeiträge und Lehrmaterialien.
Summer of AI
- Summer of AI
Das öffentliche Begleitprogramm der IJCAI-ECAI-Konferenz machte Künstliche Intelligenz in Bremen durch Vorträge und Mitmachangebote für alle Bürger:innen erlebbar.
Programm
- IJCAI Programm
Alle Invited Talks und Sessions im Überblick.
Videoaufzeichnungen
- Videoaufzeichnungen
Aufzeichnungen der Invited Talks auf der IJCAI-ECAI 2026.

Künstliche Intelligenz in der U Bremen Research Alliance
Die U Bremen Research Alliance bündelt im Leitprojekt Künstliche Intelligenz die Kompetenzen ihrer Mitgliedseinrichtungen. Im Mittelpunkt steht eine KI-Forschung, die technische Entwicklung mit gesellschaftlicher Verantwortung verbindet.
Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf AI in Health. Weitere Bezüge bestehen zu Robotik, Data Science, Mensch-Maschine-Interaktion und digitalen Infrastrukturen.
Das Leitprojekt zeigt, wie die Allianz arbeitet: nicht nebeneinander, sondern gemeinsam. Forschungseinrichtungen bringen unterschiedliche Stärken ein und entwickeln daraus gemeinsame Perspektiven.



